Do, 09.09.2010 | 20:55 Uhr
Berlin: die Stadt von AEG, Osram oder Siemens. Die Stadt wird zur Elektropolis- zur Hauptstadt der Elektrotechnik. Die Anfänge sind mit einem Namen verbunden: Werner von Siemens. Neela Richter erzählt seine Geschichte.
Das vielleicht wichtigste Siemenssche Produkt steht in einer Vitrine des Deutschen Technikmuseums: ein Zeigertelegraf mit Selbstunterbrechung. Er hat etwa die Größe eines Plattenspieler, ist leicht zu bedienen und trägt die geschwungene Aufschrift: Siemens und Halske.
1848 schrieb Werner Siemens an seinen Bruder Wilhelm: "Mein Telegraf braucht nur einen Draht, kann dabei mit Tasten wie ein Klavier gespielt werden und verbindet mit der größten Sicherheit eine solche Schnelligkeit, dass man fast so schnell telegrafieren kann, wie die Tasten nacheinander gedrückt werden."
Erst die Siemenssche Verbesserung macht aus dem Telegrafen ein zuverlässiges Kommunikationsgerät, bald unentbehrlich für Militär und Handel. Ein immenser Vorsprung vor den zeitgenössischen Konkurrenten, sagt Joseph Hoppe, Vize- Direktor des Technik-Museums. Deren Tüfteleien erreichten mitunter Standuhr-Größe.
Joseph Hoppe: "Dieses Gerät war aber verkaufbar, es war sozusagen 'state of the art' für eine längere Zeit. Es war sehr, sehr einfach zu bedienen, es war extrem zuverlässig, weswegen es ja auch bei den Eisenbahnen eingesetzt war, und es setzte ihn in den Stand, seine eigene Firma zu gründen."
Der Beginn eines Weltkonzerns. 1847 gründeten Werner Siemens und der Mechaniker Johann Georg Halske die gleichnamige Telegraphen Bau-Anstalt in einem Hinterhaus nahe dem Anhalter Bahnhof. Erst baut die kleine Firma Telegrafen, dann ganze Linien - bis nach Teheran und Kalkutta.
Werner Siemens wird 1816 als Sohn eines Gutspächters bei Hannover geboren. Das „von“ in seinem Namen kommt spät hinzu. Er hat hohe Ziele, schreibt an seinen Bruder Carl: "So habe ich für die Gründung eines Weltgeschäftes à la Fugger von Jugend an geschwärmt; welches nicht nur mir, sondern auch meinen Nachkommen Macht und Ansehen in der Welt gäbe und die Mittel, auch meine Geschwister und nähere Angehörige in höhere Lebensregionen zu erheben."
Dreizehn Geschwister hat Siemens, zuviel, als dass die Familie ihm das Studium finanzieren könnte. Er geht zum Militär, besucht die preußische Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin. Seine Lieblingsfächer: Mathematik, Physik, Chemie. In seiner Freizeit tüftelt er. 1866 gelingt Siemens eine wichtige Entdeckung: Er beschreibt das dynamo-elektrische Prinzip. Eine Neuerung in der Stromerzeugung. Siemens und Halske bauen den ersten elektrischen Aufzug. Die erste elektrische Straßenbahn, sie bauen Lampen, Tiefseekabel, Generatoren, nach 1876 auch Telefone. Lange lagen Preußen und seine Hauptstadt im Dornröschenschlaf, was technische Neuerungen anging. Aber jetzt geht es Schlag auf Schlag.
Joseph Hoppe vom Deutschen Technik-Museum: "Siemens war sehr, sehr davon überzeugt, dass er mit seinem Wirken, mit dem seines Unternehmens dazu beiträgt, dass sich Wohlstand, dass sich gewisse Annehmlichkeiten mit Hilfe der Elektrotechnik, ein Begriff, den er ja auch geprägt haben soll, sich ganz erheblich verbessern werden würden."
Siemens wird in die preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen, Ehrendoktor der Berliner Universität, fördert selbst die junge Disziplin. 1890 zieht er sich aus dem Unternehmen zurück - da hat es schon über 5.000 Mitarbeiter. Zwei Jahre später stirbt der Patriarch in Berlin. Die Firma Siemens ist nur kurze Zeit Monopolist auf dem jungen Markt der Elektrotechnik. Eine ihrer stärksten Konkurrentinnen lernt schnell: die AEG.
Ein Beitrag von Neela Richter.