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Wissenswerte: Forschung im Gespräch

Prof. Dr. Dr. h.c. mult Martin Grötschel [ZIB]

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Wissenswerte, Di 02.03.10 10:26 Uhr

Ein Porträt von Martin Grötschel

Die Welt der Mathematiker sind Formeln und Gleichungen, die für Nichtmathematiker zumeist so verständlich sind wie chinesische Schriftzeichen. Nicht umsonst erscheint Mathematik Außenstehenden als geschlossene Veranstaltung. Einer, der den Graben zwischen beiden Welten überwindet, ist Martin Grötschel. Mit Hilfe der Mathematik ist es ihm gelungen, zahlreiche praktische Probleme des täglichen Lebens zu lösen. Nach Meinung von Experten, ist es Grötschel außerdem zu verdanken, dass Berlin in den letzten Jahren zu einem Weltzentrum für angewandte Mathematik avanciert ist.

Wenn das Handy klingelt, wenn der Gaspreis sinkt, weil das Leitungsnetz von vielen Gasanbietern genutzt wird und wenn der Anschlusszug da ist, wo man ihn braucht – dann mag man an vieles denken, aber kaum an Mathematik. Doch genau die hat im Hintergrund die Strippen gezogen. Für Peter Deuflhard ist es Martin Grötschel zu verdanken, dass die Mathematik einen großen Schritt auf die Praxis zugegangen ist.

Peter Deuflhard: "Was ihn auszeichnet ist, dass er eine ganze Serie richtig schwerer Probleme aus den Anwendungen gelöst hat."

Deuflhard ist Direktor des Berliner Konrad Zuse-Zentrums für Informationstechnik und hat Grötschel 1992 nach Berlin berufen. Dass Grötschel grundlegende mathematische Probleme gelöst hat, sagt auch Günter Ziegler, Mathematikprofessor an der TU. Doch das war erst der Anfang.

Günter M. Ziegler: "Grötschel der ist in die Firmen gegangen, hat mit den Leuten geredet, hat sich Daten besorgt, und hatte immer den Anspruch, in der Praxis und am Praxistest zu zeigen, dass man mit hochentwickelter Mathematik was leisten und wirklich was verändern kann. Da gehört dann Grötschels dritte Komponente dazu, dass er als Wissenschaftsorganisator was geleistet hat. Grötschel hat es eben auch in Berlin geschafft, die Mathematiker und Mathematikerinnen zusammen zu bringen in gemeinsame Projekte."

Zahlreiche nationale und internationale Mathematikerpreise säumen die Laufbahn des 1948 geborenen Grötschel. Er ist Vizepräsidenten des Konrad Zuse-Zentrums, Professor an der TU und Generalsekretär der Internationalen Mathematischen Union. Wer nun beim Betreten seines Büros einen schwer zugänglichen Denker erwartet, wird überrascht. Grötschel wirkt gesellig und offen und glänzt als Erzähler. Sich selbst sieht er als Vertreter einer neuen Mathematikergeneration.

Martin Grötschel: "Man sollte einfach sagen, dass Mathematik über lange Jahre eine Wissenschaft war, die stark von Einzelkämpfern betrieben wurde. Physiker haben sich viel eher zusammengeschlossen, um große Maschinen zu betreiben und haben eher gelernt, zu kooperieren. Und dies ist in den letzten zwanzig Jahren auch in der Mathematik entstanden."

Interesse dafür, was in Nachbars Garten wächst verspürte Grötschel schon am Beginn seines Studiums. Um ein Haar wäre er Archäologe geworden.

Martin Grötschel: "Ich hab mich auch sehr gerne mit Geschichte und Philosophie beschäftigt und hab tatsächlich darüber nachgedacht, Archäologie und Geschichte zu studieren oder Mathematik mit Bezug zur Wirtschaftswissenschaft. Und ich fand, dass das letzte Gebiet viel mehr Zukunftschancen hat."

Die Sache mit den Zukunftschancen hatte Grötschel richtig kalkuliert. Dabei hat er nicht nur sichtbare Posten und Preise angehäuft. Das, was er und seine Mitarbeiter mit Hilfe der Mathematik ermöglichten, kommt meist unsichtbar daher. Grötschel machte komplexe Netzwerke wie das Gasleitungsnetz oder Fahrpläne von Zügen berechenbar. Und: Das Handynetz.

Martin Grötschel: "Wenn Sie auf Ihren Handyknopf drücken, wird möglicherweise Ihr Kanal bestimmt worden sein von einem Algorithmus, der bei uns entwickelt wurde."

Grötschel kann man also auf beiden Seiten der Medaille finden: Im Lexikon und im Alltag.

Stand vom 02.03.2010

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 02.03.2010 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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[www.zib.de]]

Martin Grötschel

Martin Grötschel: Publikationen und Forschungsprojekte [zib.de]